Häufig gestellte Fragen zum Chen Tao Wushu

Wie bereits unter
'Chen Tao Wushu'
ausgeführt, ist
Chen Tao Wushu nur ein Name für ein Übungssystem
aus verschiedenen Teilbereichen der Kampfkunst von Sifu Tze Dschero Khan
Chen Tao Tze. Dies sind zuvorderst Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chan Shaolim Si Kung
Fu, Teile des Dju Su, Teile des Waffenkampfes und Tai Chi Chuan.
Die Techniken und Übungsinhalte wurden im Rahmen des Chen
Tao Wushu nach logischen Kriterien strukturiert und in ein System eingebunden, das den
Schüler von Anfang an kontinuierlich ausbildet. Es wurde eine repräsentative Auswahl bei den Formen
und Partnerübungen getroffen und nach Schwierigkeitsgrad geordnet in das Prüfungsprogramm
aufgenommen. Am Ende der
Schülerausbildung steht dann die völlig freie
Selbstverteidigung, bei der alle Techniken nach eigenem
Ermessen zur Abwehr eines beliebigen Angriffs eingesetzt werden können.
Hinsichtlich der Formen ist zu sagen, dass sie der Inhalt eines fortwährenden
Trainings sind, unabhängig von Gürtelgraden. Es gilt, die Formen im Rahmen der
individuellen Möglichkeiten und auch Beschränkungen zu üben und sich damit
auseinander zu setzen.
Zusätzlich werden die v. g. Teilbereiche auf der Grundlage der jeweiligen
Prüfungsprogramme trainiert; dies dient jedoch in erster Linie zur
Verbreiterung der technischen Grundlage der Schüler und -innen und um eine
bessere Basis
für die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Verbänden (DWF, WVNRW, W.M.A.A.-R.O.C.) zu ermöglichen. Bei entsprechendem Training können hierin
durch Gürtelprüfungen zusätzliche Qualifikationen erworben werden.
Es muss jedoch noch mal ganz deutlich betont werden, dass es sich nach
unserer Auffassung beim Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chan Shaolim Si Kung Fu, Dju Su und
Tai Chi Chuan nicht um unterschiedliche Systeme oder Stile handelt, sondern sie
sind unserer Meinung nach Teile der Kampfkunst von Sifu Tze und ergänzen sich
untereinander hervorragend. Daher haben wir
für unser Übungs- und Trainingssystem den Namen 'Chen Tao Wushu' gewählt.
Die ständigen Diskussionen, speziell in den Internetforen, ob und unter welchen
Voraussetzungen eine Kampfkunst als traditionell oder authentisch anzusehen ist,
halten wir für entbehrlich, vorsichtig formuliert. Lebendige Kampfsysteme, und
dazu zählt die Kampfkunst von Sifu Tze nach unserer Auffassung
sicherlich, passen sich dem Praktizierenden an und nicht umgekehrt. Allzu starre
Systeme gehen nach unserer Meinung an der Realität vorbei und haben mit
Kampfkunst und Selbstverteidigung im 21. Jahrhundert nichts zu tun. Wir halten
es auch für absonderlich, dass gerade in den Kampfkünsten häufig die Auffassung
vertreten wird, was alt ist, sei auch automatisch gut und in althergebrachten
Schulen herrsche Geheimwissen vor, dass in anderen Schulen nicht vorhanden sei.
Das ist nach unserer Meinung Humbug. Die Tauglichkeit eines Stiles oder einer
Schule hängt nach unserem Verständnis in erster Linie davon ab, dass die Leute
eine vernünftige Ausbildung in den grundlegenden Techniken erhalten haben, die
heute wie früher darauf basieren sollte, dass die Menschen, zumindest in der
überwiegenden Zahl, Arme, Bein, Rumpf und Kopf haben und nicht auf irgendeinem
Hokuspokus aus mittelalterlichen Märchen und neuzeitlichen Phantasien.
Wir glauben, mit dem Chen Tao Wushu in unserem Verein eine gute
Trainingsmethode gefunden zu haben, die unseren Mitgliedern eine solide und
möglichst umfassende Ausbildung in der Kampfkunst ermöglicht. Das lässt auch
genügend Raum, andere Stile oder Systeme kennenzulernen und auszuprobieren. Starre Vorgaben,
insbesondere Mindestwarte- oder -trainingszeiten, halten wir für unpassend, weil
sie die Entwicklung und den Fortschritt des Einzelnen gegenüber den Formalien
einengen und zurückdrängen. Unser Trainings- und Übungsprogramm ist so beschaffen,
dass die technischen Anforderungen hinsichtlich Quantität und Qualität
automatisch auch
einen gewissen zeitlichen Rahmen mit sich bringen und eine bestimmte
Trainingsintensität erfordern. Weitergehende Regelungen sind für uns nicht
nötig.

Das Chen Tao Wushu Training läuft im Wesentlichen genauso ab wie in den meisten asiatischen Kampfsportarten. Wir beginnen mit einer kurzen Meditation im Sitzen (jap.: Zazen, chin. T'sou Chan), woran sich Qi Gong Übungen und die allgemeine Gymnastik anschließen. Bei der Gymnastik passen wir uns an die aktuelle Trainingslehre an. Nach den Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Stärkung von Herz und Kreislauf schließt sich das eigentliche Kampfkunsttraining mit dem Grundschultraining, in dem die wesentlichen Arm- und Beintechniken ausgiebig geübt werden, den Partnerübungen mit den Selbstverteidigungsaspekten und dem Formen- und Kampftraining an. Zum Abschluss erfolgt wieder eine kurze Meditation im Sitzen. Zu diesem Standardtraining findet je nach Interesse und Leistungsstand der Übenden noch ein Vertiefungstraining in verschiedenen Disziplinen statt. Weitere Angaben sind unter 'Training' zu finden.

Chen Tao Wushu kann grundsätzlich von jedem, ob alt oder jung, Mann, Frau oder Kind ausgeübt werden. Lediglich Personen mit gesundheitlichen Schäden sollte vorher ihren Arzt konsultieren. Im Training wird auf die individuellen Möglichkeiten Rücksicht genommen, so dass Anfänger anders belastet werden als Fortgeschrittene, und ältere anders als jüngere. Durch diese Trainingskonzeption ist Chen Tao Wushu grundsätzlich für jeden erlernbar, der gewillt ist, ernsthaft zu trainieren. Nähere Einzelheiten sind unter 'Kindertraining' und 'Senioren' zu finden.

Chen Tao Wushu kann man mit unterschiedlicher Zielsetzung und unterschiedlichen Schwerpunkten in vielen Vereinen und Schulen in Nordrhein-Westfalen lernen, die konkreten Übungsinhalte hängen allerdings stark von den jeweiligen Lehrern ab. Eine Auflistung der Chen Tao Wushu Vereine findet man unter 'Links'.

Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. ist ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein und
Mitglied des
Wushuverbandes Nordrhein-Westfalen (Landesverband) und der
Deutschen Wushu Federation
(Bundesverband). Beide Verbände sind Fachverbände für
chinesische Kampfkunst- und -sportarten. Über diese Verbandsmitgliedschaft
besteht dann auch eine Mitgliedschaft im Landessportbund NRW und im Dachverband
für Budotechniken NRW.
Darüber hinaus sind die Schwarz- und Farbgurte des Kwoon Kerken-Geldern e. V. auch
Einzelmitglieder der World Martial Arts Association, die ihren Sitz in
Taipeh/Taiwan hat. Durch diesen Weltverband mit den Repräsentanten Sifu Tze
Dschero Khan Chen Tao Tze und Shihan Toni Finken-Schaffrath, bestehen auch wieder Kontakte
zu anderen Vereinen und Verbänden.
Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. hat freundschaftliche Beziehungen zu
verschiedenen Vereinen, die Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chuan Su Pok Kek Kune, Chan Shaolim
Si Kung Fu oder andere verwandte Kampfstile betreiben. Aufgrund dieser Kontakte
ergeben sich dann unterschiedliche gemeinsame Aktivitäten.
Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. ist
Mitglied im Wushuverband Nordrhein-Westfalen und dort seit Mitte 2010 in der
Fachschaft Chen Tao Wushu organisiert.
Die Fachschaft Chen Tao Wushu ist aus der
Kampfkunstgemeinschaft Chen Tao Wushu
hervorgegangen, die schon
seit den 90er Jahren bestand und ursprünglich kein Verband oder ähnliches war, sondern nur ein
Freundeskreis um Hans Stresius, Walter Polzin, Florian Hahn, Karl-Dieter
Alletter, Christoph Lemm und
Frank Olislagers, der die Kampfkunst von Sifu Tze fördern, erhalten und
gemeinsam trainieren wollte. Es gab keine Organisationsstruktur, Beiträge,
Vorstände, Satzungen oder dergleichen, sondern nur gemeinsame
Vereinspässe und regelmäßige Trainingstreffen, Lehrgänge und Gürtelprüfungen.
Durch eine Vielzahl von organisatorischen und personellen Änderungen im
Wushuverband erschien es sinnvoll und angebracht, diesen Freundeskreis in eine
im Wushuverband NRW verwurzelte Organisationsstruktur umzuwandeln. Wie für
andere Kampfstile oder -systeme bot sich hierzu die Gründung einer Fachschaft
an, was nach langem Hin und Her Mitte 2010 vollzogen werden konnte.
Die Mitgliedschaft in
Fachverbänden wird zwar von einigen Kampfkünstlern zu Recht kritisch gesehen, ist
aber unserer Wahrnehmung nach aufgrund der Vergabepraxis von Trainingszeiten in öffentlichen Sportstätten
und der haftungsrechtlichen Risiken beim Trainingsbetrieb ohne wirkliche
Alternative. Durch die Mitgliedschaft im Fachverband ist eine Mitgliedschaft im
Landessportbund NRW gesichert, die in fast allen Fällen Voraussetzung für die
Zuteilung von Trainingszeiten. Wen das alles nicht interessiert, der kann unserer
Meinung nach durchaus
Kampfkunst auf hohem Niveau im heimischen Wohnzimmer oder Garten betreiben.

Auch das ist von Verein zu Verein verschieden. Die Vereine,
die als Abteilung in einem größeren Sportverein organisiert sind, haben meist
den Vorteil eines niedrigeren Beitrages, haben dafür aber auch nur ein Budget im
Rahmen des Gesamtvereins und sind an die Entscheidungen des Gesamtvereins
gebunden. Bei den Vereinen, die im Rahmen des Hochschulsportes organisiert sind,
fallen Beiträge meistens semesterbezogen an und sind ebenfalls relativ niedrig.
Die eigenständigen Vereine haben aus den Mitgliedsbeiträgen sämtliche Ausgaben
zu bestreiten und erhalten in den meisten Fällen keine öffentlichen Zuschüsse.
Die Beiträge des Kwoon Kerken-Geldern e. V. sind unter
'Kwoon' aufgeführt.
Wie die meisten anderen Kampfsport- und Kampfkunstarten auch ist Chen Tao Wushu kein
"Ausrüstungssport" und daher relativ preisgünstig. Neben dem Kampfanzug, der in
einfacher Qualität zwischen 30,- € und 40,- € kostet und für Anfänger völlig
ausreichend ist, benötigt man zumindest während der ersten Jahre kaum irgendwelche
Zusatzausrüstung.


Das ist eine mehr als heikle Frage
und nur schwer zu beantworten, weil die Fähigkeit zu Selbstverteidigung
unserer Auffassung nach in
erster Linie nicht von Kampftechniken abhängt, sondern ganz entscheidend vom Willen des
Einzelnen, sich wirklich zu verteidigen und dessen Gesamtpersönlichkeit ab. Dieser Wille
einhergehend mit der entsprechenden Persönlichkeit ist bei manchen
Menschen von Geburt bzw. von Kindesbeinen an vorhanden; diese Menschen haben es dann mit
Hilfe der Techniken aus dem Chen Tao Wushu Training "verhältnismäßig" leicht, sich
wirksam zu verteidigen. Bei denjenigen, die diesen Willen zur Selbstverteidigung
nicht so offenkundig haben, muss dieser erst durch Training 'erworben' werden; erst
dann
und mit der Entwicklung einer entsprechenden Persönlichkeit sind die Techniken aus dem Chen Tao Wushu Training wirksam in der Selbstverteidigung
einsetzbar.
Auf einen kurzen Nenner gebracht, kann man sagen, dass die Techniken des Chen
Tao Wushu dann wirksam zur Selbstverteidigung eingesetzt werden können, wenn die
grundsätzlichen persönlichen Voraussetzungen für eine Selbstverteidigung
vorhanden sind, diese können angeboren oder erworben sein.
Egal, wie realistisch das Selbstverteidigungstraining in der Sporthalle auch
betrieben wird, es ist und bleibt immer nur ein Training. Wir versuchen, auch
auf der Basis unserer eigenen Erfahrungen, unsere Schüler
körperlich wie geistig auf so eine reale Selbstverteidigungssituation
vorzubereiten, aber mehr als vorbereiten können wir nicht.

Wie in vielen anderen Kampfstilen auch, haben wir im Chen
Tao Wushu das japanische bzw. europäisch/amerikanische System der Gürtelstufen und -farben übernommen und unseren
Bedürfnissen angepasst. Es gibt 10 Schüler- und mehrere
Meistergrade.
Die Schülergrade gliedern sich in 5 Anfängerstufen mit dem weißen Gürtel und 5
Fortgeschrittenenstufen mit unterschiedlichen farbigen Gürteln von gelb bis
braun; die Meistergrade
sind Schwarzgurtstufen.
Obwohl viele Kampfkünstler oder -sportler gerade auch die Höhe der Meistergrade
als das allein Glücklichmachende ansehen, sind sie für uns eher eine
Verantwortungs- als eine Leistungsstufe. Wirklich wichtig ist nach unserer
Auffassung das Training und nicht, wie viele rote Balken auf einem schwarzen
Gürtel sind.
Während in den Schülergraden noch das Kennenlernen und Erlernen der technischen
Grundlagen sowohl bei den Partnerübungen als auch bei den Formen vorrangiges und
auch prüfbares Ziel ist, sind die Meisterstufen der Perfektionierung und
Individualisierung der Kampftechniken, der Beschäftigung mit den theoretischen
und philosophischen Grundlagen der Kampfkünste sowie der Vermittlung der
Kampfkunst an die
nächste Generation gewidmet.
Insofern sind für uns die Diskussionen um die Höhe der Meistergrade, die
zeitlichen Abstände zwischen ihnen sowie die verschiedenen Anerkennungsformen
entbehrlich und der Kampfkunst abträglich. Für uns gilt: je höher der
Meistergrad, desto höher die Verantwortung für die Schülerausbildung und den
eigenen Trainingsstand. Die üblichen Diskussionen, die gerade auch im Internet
teilweise mit missionarischem Eifer geführt werden, sind für uns ein deutliches
Zeichen des Neides, der Eitelkeit und der geistigen Unreife, Attribute, die mit
einer traditionellen Kampfkunstauffassung nach unserer Meinung nicht im Einklang stehen.
Wer außerhalb unseres Vereins welchen Meistergrad in welcher Höhe von wem in
welchem Stil und in welcher Zeit bekommen hat, ist für uns und unser Training
nicht wichtig und interessiert uns daher nicht.
Wir halten auch die Festlegung von Mindesttrainingszeiten und -wartezeiten im
Schülerbereich für
entbehrlich, weil sie ein zu starres Bewertungssystem erfordern. Bei uns gilt:
wer die Anforderungen erfüllt, kann Prüfung machen, wer nicht, nicht. Es gibt
sicherlich Erfahrungswerte hinsichtlich der zeitlichen Abstände und der
Trainingsdauer, bis diese oder jene Graduierung erreicht ist, aber diese
Erfahrungswerte zu formulieren, bedeutet immer auch, ein Zeittableau
aufzustellen, das gegenüber den Inhalten einen gewissen Vorrang hat. Das halten
wir für grundsätzlich falsch, zumal so suggeriert werden kann, das etwas,
was lange dauert, auch gut und vor allen Dingen anderen überlegen ist. Häufig dient
dieses Verhalten nur dazu, die "Überlegenheit" bestimmter hohe
Schwarzgurte, System- oder Schulbegründer und ihrer Systeme zu
behaupten. Das ist nach unserer Erfahrung grober Unfug.
Eine Ausnahme bilden die Schwarzgurtprüfung auf Landesverbandsebene; dort sind
zeitliche Mindestabstände zwischen den einzelnen Graduierungen vorgegeben und
einzuhalten. Das ist unserer Meinung nach auf dieser Stufe auch kein Problem.
Und auch in manchen vor Tradition nur so strotzenden chinesischen Kampfsystemen
wurde vor kurzem ein modernes, dem Kyu (Kup) - und Dansystem entsprechendes
Graduierungssystem eingeführt.
Alles nähere zu den einzelnen Schülergraden kann man im
Prüfungsprogramm unter 'Chen Tao Wushu'
nachlesen.

10. Warum werden im Chen Tao Wushu überwiegend japanische Ausdrücke verwendet?
Die japanischen Ausdrücke stammen aus den
Anfängen des Shaolin
Kempô und wurden bei der Konzipierung des Chen Tao Wushu
übernommen. Es werden gerade die Grundtechniken in japanisch bezeichnet, für
andere Techniken gibt es ein teilweise recht buntes Sprachgemisch aus anderen
asiatischen Ausdrücken. Es gab im Chen Tao Wushu auch den Ansatz, für alle
Techniken nur noch deutsche Ausdrücke zu verwenden; diese Bestrebungen setzten
sich aber nicht durch. In einzelnen Vereinen und Gruppierungen ist man dann vor
Jahren dazu übergegangen, die japanischen
Ausdrücke und das Sprachgemisch durch chinesische Ausdrücke zu ersetzen. Auch
das setzte sich nicht flächendeckend durch.
Unabhängig davon haben sich die japanischen Ausdrücke in vielen Kampfstilen und
-systemen als eine Art "Universalsprache" durchgesetzt, wodurch die
Verständigung der vielen unterschiedlichen Systeme untereinander etwas erleichtert wird.
Wir verwenden die japanischen Ausdrücke und wenn das als nicht traditionell
angesehen wird, dann werden wir damit leben können.
Die Techniken sind mit ihren japanischen Bezeichnungen
hier zu bekommen.
Hinsichtlich der von uns verwendeten japanischen/deutschen Trainingskleidung ist zu sagen, dass diese Kleidung für den praktischen Trainingsbetrieb unserer Auffassung und Erfahrung nach geeigneter ist als die chinesischen Kung Fu Anzüge mit den geflochtenen Knöpfen oder das Training nur in Hose und T-Shirts. Von der Kleidung aus auf die Qualität der Kampfkunst oder des Trainings zu schließen, ist unserer Auffassung nach allerdings verfehlt.

In allen traditionellen Kampfstilen und -systemen gibt
es Regeln für den Trainingsbetrieb und auch für das Verhalten außerhalb des
Trainings. Das ist allein schon erforderlich, um das Verletzungsrisiko so gering
wie möglich zu halten und darüber hinaus den Lernfortschritt optimal zu
ermöglichen. Darin unterscheidet sich der Kampfkunstunterricht nicht von einem
normalen Schulunterricht. Verhaltensregeln außerhalb des Trainings sind in einem
bestimmten Rahmen auch erforderlich, um einem Missbrauch der Kampftechniken zu
vermeiden. Das sind aber nur Verhaltensansprüche und keine Gewähr. Im Kwoon
Kerken-Geldern e. V. gilt, wer verantwortlich an einer Schlägerei beteiligt
ist, was
also nicht durch eine Notwehrsituation gerechtfertigt ist, muss den Verein verlassen.
Es gibt bei uns aber keine fest aufgeschriebenen Regeln entsprechend den
klassischen Dojukun, die zu Beginn eines Trainings wie ein Fahneneid aufgesagt
werden (müssen). Das lehnen wir ab. Umgangs- und Verhaltensregeln müssen für
einen ordnungsgemäßen und effektiven Trainingsbetrieb sein, aber auch einen
inhaltlichen, allgemeinverständlichen Sinn haben; militärische Regeln wie
Sprechverbote und Unterwürfigkeitsrituale gibt es bei uns nicht.
Es ist sicherlich so, dass derartige Regeln und Verhaltensformen im Asien der
Vergangenheit, vielleicht auch heute noch, erforderlich und verbreitet gewesen
sind oder auch noch sind, aber nach unserer Auffassung passt so etwas nicht nach
Europa und nicht ins 21. Jahrhundert. Es macht für uns auch keinen Sinn, etwas
zu zelebrieren, nur weil es alt und überliefert ist, wenn die Inhalte uns fremd
und nicht wirklich erforderlich sind.
In unserem Verein, aber auch in den befreundeten Vereinen, herrscht eine
freundliche, respektvolle Atmosphäre, die stringente, bis ins letzte Detail
ausgearbeitete und unumstößliche Regeln nicht erforderlich machen. Wir
vermitteln unseren Schülern die erforderlichen Umgangsregeln außerhalb und
innerhalb des Trainings ohne derartige Hilfsmittel. Bei allem Sinn für Etikette
und Tradition, darf man nicht vergessen, dass wir Breitensport überwiegend als
Freizeitsport in Europa betreiben und das Training auch von Freude und Spaß an
der Bewegung geprägt sein sollte, umso die körperlichen und geistigen Anstrengungen
auch auf Dauer durchhalten zu können.
Selbstverständlich haben die verschiedenen klassischen Dojukun, z. B. die 20
Regeln von Gichin Funakoshi, ihre Berechtigung und auch ihre Bedeutung, aber
Regeln, die den Lehrer gottähnlich erhöhen und die Schüler erniedrigen, sind für
uns nicht akzeptabel und werfen nach unserer Auffassung ein entsprechendes Licht
auf den jeweiligen Lehrer oder Schulleiter. Von solchen Leuten halten wir uns
fern.
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Sifu Tze Prinz Dschero Khan Chen Tao Tze, mit niederländischem Namen Gerard K. Meijers,
ist der Begründer unserer Kampfkunst in Europa. Daher hat Sifu Tze das
Trainings- und Übungssystem im Kwoon Kerken-Geldern e. V. bis hin zur
Namensgebung maßgeblich beeinflusst und ist Ehrenmitglied unseres Vereins.
Heute haben wir vom Kwoon
Kerken-Geldern e.V. einen sehr intensiven Kontakt zu ihm durch unsere Mitgliedschaft in der World Martial Arts Association and Physical Education (WMAA.PE) und
natürlich durch unsere persönliche Beziehung. In diesem Rahmen nehmen wir an Lehrgängen,
Seminaren, Trainingseinheiten und Gürtelprüfungen unter der Leitung und dem
Vorsitz von Sifu Tze teil.

13. Wird im Chen Tao Wushu auch mit Waffen trainiert?
Das ist von Verein zu Verein
verschieden und hängt in erster Linie von den persönlichen Vorlieben der
leitenden Schwarzgurte ab. Im Kwoon Kerken-Geldern e. V. umfasst das
Waffentraining das Training mit Lang- und Kurzstock, Tonfa sowie dem chinesischen
Säbel, es hat aber im gesamten Trainingsverlauf eine eher untergeordnete
Bedeutung. Lediglich das Training mit dem Tonfa wird bei uns von den
Fortgeschrittenen etwas intensiver trainiert.
Wir vertreten die Auffassung, dass das Waffentraining erst dann Sinn macht, wenn
die Grundlagen im waffenlosen Training in ausreichendem Umfang gelegt wurden.
Daher wird bei uns das Waffentraining eher zur Abrundung der Ausbildung
angesehen als als eigenständiges Übungssystem.
An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass wir die waffenlosen
Abwehrtechniken gegen bewaffnete Angriffe nur zur Vervollständigung des
technischen Repertoire üben; zur realistischen Selbstverteidigung gegen
bewaffnete Angriffe sind die uns bekannten waffenlosen Techniken nach unserer
Auffassung allesamt nicht geeignet. Da diese Techniken aber landauf und
landab geübt werden und diese auch aus den Schwarzgurtprüfungsprogrammen der
verschiedenen Verbände anscheinend nicht wegzudenken sind, üben wir diese
Techniken eher unter sportlichen Gesichtspunkten.

14. Kampfkunst (-sport) und
Gewalt:
Zunächst einmal kann die Frage, ob die langjährige praktische Beschäftigung mit
einer Kampfkunst oder dem darin enthaltenen Kampfsport aggressives Verhalten hervorbringt oder fördert, klar verneint
werden. Es gibt bereits seit längerem wissenschaftliche Untersuchungen, die
belegen, dass durch anhaltendes, langjähriges und intensive Training in einer
Kampkunst genau das Gegenteil eintritt.
Wie erklärt sich diese Wirkung?
Zuvorderst ist das Training in jedweder Kampfkunst oder Kampfsportart eine
körperlich sehr anstrengende Sache. Leute, die hart und intensiv
trainieren und so dann auch sehr intensive körperliche Erfahrungen mit
Kampftechniken und -situationen machen, entwickeln eine besondere
Friedfertigkeit und Aggressionslosigkeit, weil sie sich im Training auspowern
und ausleben können.
Außerdem beißen sich Provokateure an erfahrenen Kampfsportlern oft die Zähne
aus. Durch das langjährige Training kann entsprechendes Selbstvertrauen auch in
die eigenen körperlichen Möglichkeiten aufgebaut werden und so behalten
Kampfsportler auch in schwierigen Situationen zumeist Ruhe und Überblick, was
Provokationen erschwert. Dadurch geraten sie seltener in bedrohliche
Situationen. Und sollte dies dennoch geschehen, können sie auf die erlernten
Kampftechniken zurückgreifen, wenn sie denn auch den entsprechenden
Fertigkeitsstand haben. Dass Anfänger sich da auch deutlich überschätzen können,
ist verständlich, sollte aber durch vernünftiges Training vermieden werden
können. Fortgeschrittene, wir können hier nur für die Mitglieder in unserem
Verein sprechen, verfügen meistens über
entsprechende kämpferische Fähigkeiten, die ihnen eine wirksame
Verteidigung ermöglichen.
An dieser Stelle sollen bewusst keine
pseudojuristischen Ausführungen über Notwehrrechte und -situationen gemacht
werden, weil sie u. E. am Kern der Selbstverteidigung vorbei gehen. Nach unserer
Auffassung, und so verstehen wir auch unser Rechtssystem, ist niemand verpflichtet, sich
widerrechtlich angreifen oder verletzen zu lassen. Und wir meinen auch, dass von
niemandem erwartet werden kann, dass in einer Selbstverteidigungssituation zunächst ein
juristisches Gutachten über die zulässige Notwehr angefertigt wird. Ebenso wenig
können nach unserer Erfahrung gerichtsfeste Standardsituationen geübt oder Patentrezepte
ausgegeben werden. Jede Selbstverteidigungssituation ist einzigartig und
individuell und auch als solche zu behandeln. Im Chen Tao Wushu reagieren wir im
Training auf
einen oder mehrere Angriffe und versuchen, diese zu beenden. Dafür tun wir alles
Erforderliche und üben das auch im Rahmen des Möglichen so realistisch wie
möglich.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gehen Aggressionen beinahe nie von
Kampfsportlern aus! Ein sehr hohes Ziel aller Kampfkünste und Kampfsportarten,
ist die Erlangung einer inneren Ruhe, und das in jeder Situation. Nur wer auch
in Krisensituation möglichst ruhig ist, kann angemessen und richtig reagieren.
Wir möchten an dieser Stelle aber auch darauf hinweisen, dass Chen Tao Wushu als
Kampfkunst nach unseren Begriffen wesentlich mehr beinhaltet als die bloße
Selbstverteidigung. In erster Linie ist Kampfkunst eine Schulung, ein Lebensweg
und so eine Art, sein Leben zu führen. Dazu gehört auch die Selbstverteidigung,
aber auch die persönliche Entwicklung und Weiterentwicklung.
Es gibt genügend Kampfstile, die sich der reinen Selbstverteidigung verschrieben
haben, häufig mit militärischem, aber häufig auch mit kommerziellem Hintergrund, in denen man bloße
Selbstverteidigungstechniken gegen alle möglichen Angriffe, auch bewaffnet,
trainieren kann. Kampfkunst im Sinne einer individuellen
Persönlichkeitsentwicklung findet dort allerdings in den seltensten Fällen
statt, gehört aber auch nicht zu deren erklärten Zielen. Wer an ausschließlicher
Selbstverteidigung interessiert ist, ist in diesen Vereinen und Schulen besser
aufgehoben als bei uns, wo sich die Selbstverteidigungsfähigkeit neben der
Körper- und Charakterschulung erst im Laufe des Trainings herausbilden kann.
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